Fließbandarbeiter Tod
Sep 18th, 2006 by Rudi
In nur neun Monaten verlor ich gleich vier geliebte Menschen. Der Tod hat in meinem Leben im wahrsten Sinne des Wortes ganze Arbeit bzw. Fließbandarbeit geleistet.
Mit dem dritten Hirnschlag meiner Mutter im November 2004 begann der Niedergang meiner gesamten Familie. Alle wurden in kürzester Zeit Pflege”fälle”, wie man das gerne etikettiert, um sich dieses menschliche Desaster auch sprachlich weit vom Leib zu halten. Das Leben meiner Mutter, meines Vaters und meiner Tante wurde in kürzester Zeit von Krankheiten zerfressen und vom Siechtum zerstört. Und ich durfte diesen Verfall des Lebens und lebendiger Menschen live miterleben und -erleiden, was alles andere als erheiternd und unterhaltsam war.
Am 23. Juli 2005 stirbt dann als erste meine Tante = zweite Mutter (sie war für meine Erziehung und Entwicklung mindestens ebenso bedeutsam wie meine leibliche Mutter) an einem blitzschnellen Herzinfarkt. Sie hat den Übergang zwischen den Welten nicht bemerkt.
Am 6. November 2005 stirbt mein Vater nach neun Monaten Siechtum an einem unheilbaren Prostata-Krebs. Er klammerte sich verzweifelt ans Leben, er ging nicht gern.
Am 28. April 2006 um 8 Uhr früh kippt meine Mutter im Badezimmer tot um. Herzschwäche. Vielleicht wollte sie aber auch nur zu Papa… Kurz darauf waren wir alle vor Ort: mein Bruder Harald, meine Schwägerin Angelika und ich natürlich auch. Es blieb mir nur noch, meiner Mutter die Augen und den Mund zu schließen und das Blut wegzuwischen, das ihr alle paar Minuten aus den Mundwinkeln rann. Ich blieb sechs Stunden bei ihr, tröstete sie, redete stumm mit ihr und streichelte sie ein letztes Mal. Um 15 Uhr wurde sie dann mit dem Leichenwagen abgeholt.
Am 5. Mai 2006 stirbt mein Anwalt und Freund Reiner mit nur 57 Jahren.
Diese neun Monate waren für mich die traurigsten, verzweifeltsten und schmerzhaftesten Monate der letzten 30 Jahre. Gute Tage gab es da für mich da so gut wie keine. Im Gegenteil. Es waren fast ausschließlich bitterböse und verdammt kalte Tage.
In nur 9 Monaten habe ich gleich vier mir sehr liebe Menschen verloren. Trauer, Schmerz und Wut machten es mir oft unmöglich, an meinen Webseiten, meinen Blogs und natürlich auch an meinem Leben weiterzuarbeiten. Die Zunge gelähmt vor Schmerz, die Augen blind von Tränen. Ich habe vier liebe und absolut unersetzbare Menschen verloren. Sie sind unwiderruflich unter – ich bin unwiderruflich über der Erde. Eine harte Zäsur. Die Trennung ist endgültig. Amen.
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